Die Dachdeckerei Kemmer kann sich über zu wenig Arbeit nicht beklagen. Seit Wochen sind die Auftragsbücher voll. Vor allem mit Reparaturarbeiten. Der lange und raue Winter, dicker Frost, häufiger und heftiger Schneefall, eisige Temperaturen. Das alles hat die Ziegeln, Regenrinnen und Ablaufrohre in Mitleidenschaft gezogen.
Bei den vielen kleinen und größeren Ausbesserungsarbeiten ist es ein Segen, dass die Dachdeckerei Kemmer über je zwei Fahrzeuge und fähige Führungskräfte verfügt. So kann sich der kleine Betrieb in zwei Trupps aufteilen, die parallel das Tagesgeschäft abrackern. Den einen Trupp leitet der Chef persönlich, den anderen sein bester Mann, Meister Klaus.
Eigentlich hatte Fritz Kemmer 2010 zum Sparjahr ausgerufen. Weniger Neubauten und Komplettsanierungen im Zuge der Wirtschaftskrise bedeuten weniger Großaufträge. Ein ganzes Dach zu decken, das spült richtig Kohle in die Kasse. So aber sind die Reparaturarbeiten in der Überzahl. Ausgerechnet jetzt besteht Meister Klaus auf einer neuen Leiter.
Seit Jahren geht das so. “Wir brauchen eine neue Leiter, Chef”, liegt der Klaus dem Fritz mit schöner Regelmäßigkeit in den Ohren. Jetzt, wo es letzte Woche das alte Holzmodell in zwei Teile gerissen hat, kommt der sparsame Herr Kemmer nicht länger um eine Neuanschaffung herum.
Günstig und sicher, praktisch zu transportieren und robust muss das gute Stück sein. Schließlich soll es lange halten und gegen die Tolpatschigkeit der Mitarbeiter gerüstet sein. Klaus jedenfalls grinst schon jetzt zufrieden, fühlt er sich doch für seine Hartnäckigkeit belohnt: “Endlich ist es soweit!”
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